Josef Peneder
Das   Textarchiv
Texte aus fünf Jahrzehnten
© Josef Peneder 2016   Version 2.5  /  05.05.2022
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Teil 3: Wie man in Griechenland ein Haus baut Phase 4: Rund ums Haus
Unser "Freiluftklo" auf der Terrasse im 1. Stock.
Ein   weiterer   Schritt   zur   Zufriedenheit   war   die   Entsorgung   der Abwässer.     Zu     diesem     Zweck     ist     die     Errichtung     einer Senkgrube   vorgesehen.   Wir   organisierten   einen   Bagger   und gleichzeitig sollten die Betonringe geliefert werden. Auch   das   hat   gut   geklappt:   unterhalb   von   unserem   Häuschen wurde   ein   tiefes   Loch   ausgehoben,   die   Ringe   (übrigens   ohne Boden)    eingepasst,    zum    Schluss    ein    Deckel    drauf,    der Anschlusskanal   zum   Haus   gegraben,   Rohre   verlegt   und   alles wieder zugeschüttet. Zahlreiche   große   Steine   ließen   wir   uns   zwecks   Aufschüttung einer Terrasse in einer schönen Reihe platzieren. Soweit so gut. Im   nächsten   Jahr   stellten   wir   fest,   dass   die   Toilette,   genau genommen   das   “Spülgut”,   nicht   mehr   abfloss.   Während   das Klo   im   ersten   Stock   einwandfrei   spülte,   bemerkten   wir,   dass sich   die Abwässer   über   die   Toilette   im   Erdgeschoß   entsorgten, wo der “Kaktus” frech zutage trat. Eine   ausgiebige   und   entsprechend   unappetitliche   Spülung   des Rohres   Richtung   Senkgrube      brachte   nur   für   ein   paar   Wochen Linderung, dann hatte sich das Rohr offenbar wieder befüllt. Da     wir     ja     inzwischen     nur     mehr     in     den     Sommerferien defäkierten,    konnten    wir    die    oben    beschriebene    Notlösung etwa    zwei    Jahre    lang    nützen,    ehe    ich    mich    aufraffte,    die Anschlussstelle     des     Rohres     an     der     Senkgrube     durch Probegrabungen    zu    ermitteln.    Die    Ausgrabungen    ergaben, dass    der    Anschluss    offenbar    beim    Zuschütten    nach    unten gedrückt    worden    und    an    der    Betonwand    anstatt    in    der vorgesehenen   Öffnung   des   Betonringes   zu   liegen   gekommen war. Ich    musste    das    Rohr    aufsägen,    wonach    gemächlich    eine mehrere     Meter     lange     Presswurst     ans     Licht     quoll,     ein erhebender Moment! Nach     dem     Umschaufeln     des     Materials     in     die     dafür vorgesehene   Grube   konnte   der   Rohranschluss   zügig   repariert werden.   Trotz   einer   leichten   Steigung   im   Unterlauf   funktioniert jetzt alles seit Jahren bestens. Wenn   der   Rohbau   steht,   gibt   es   üblicherweise   ein   Gelage   mit dem   Bautrupp,   wobei   sich   Baumeister   und   Auftraggeber   die Kosten   teilen.   Zu   meiner   Schande   muss   ich   gestehen,   dass wir   zuerst   keinen   gemeinsamen   Termin   finden   konnten,   dann war    die    Taverne    immer    voll,    und    schließlich    mussten    wir wieder nach Österreich zurück. Auch   im   nächsten   Jahr   fand   sich   kein   Termin,   an   dem   alle   Zeit hatten, so ist das Ganze leider eingeschlafen. An Arbeit war hingegen weiterhin kein Mangel. Das   Haus   sollte   nun   einen   sauberen   Außenputz   erhalten.   Wir kontaktierten   einen   kleinen   Putztrupp,   und   nach   einer   groben Schätzung      der      Fläche      war      auch      schnell      ein      Preis ausgehandelt. Die   Ytongwände   wurden   rosa   grundiert   und   der   Außenputz aufgebracht.            Sämtliche            Unebenheiten            meiner Maurertätigkeiten   waren   im   Nu   beseitigt.   Das   Ergebnis   konnte sich   sehen   lassen.   Irgendwann   würde   auch   noch   der   obligate weiße Anstrich erfolgen. Der   letzte   wichtige   Schritt   war   der   Strom,   denn   dieser   war   ja auf    maximal    vier    Jahre    befristet.    Um    ihn    für    immer    zu bekommen, musste zuerst der Bau abgenommen werden. Die   Nachbarschaft   zeigte   an   diesem   Vorgang   reges   Interesse, denn   der   altgediente   Leiter   der   Baubehörde,   mit   dem   man entsprechend   umzugehen   wusste,   war   pensioniert   worden   und an   seiner   statt   hatten   wir   es   mit   einem   “Neuen”   zu   tun,   den man   noch   nicht   kannte.   Nicht,   dass   wir   etwa   zu   groß   oder   zu hoch   gebaut   hätten,   aber   immerhin   befanden   sich   zwei   illegale Holzhütten   auf   unserem   Grund,   denen   nach   dem   Buchstaben des    Gesetzes    eventuell    ein    Abriss    drohen    könnte.    Unsere Ingenieurin   war   auch   entsprechend   nervös,   denn   sie   hatte   ja die rechtmäßige Grundbebauung bereits bestätigt. Es    gab    aber    letztlich    keinen    Grund    zur    Sorge,    denn    es erschienen   lediglich   zwei   junge   Männer   der   Baubehörde,   die die   Außenmaße    sowie    den   Abstand    zu    den    Grundgrenzen kontrollierten und alles für in Ordnung befanden. Noch   einmal   mussten   wir   ins   Gemeindeamt,   wo   die   Fläche unseres   Hauses   nun   amtlich   eingetragen   wurde. Anschließend erhielten    wir    im    Büro    der    Stromgesellschaft    den    Strom    für immer!     Rückblickend     betrachtet     war     unser     Bau     sehr zufriedenstellend   abgelaufen.   Ich   möchte   mich   an   dieser   Stelle bei   den   vielen   Helfern   und   Helferinnen   bedanken,   die   großteils ganz   unbürokratisch   und   freundschaftlich   ihren   Beitrag   zum Gelingen geleistet haben!
Der Putztrupp Die Vorderseite ist bereits sauber verputzt. Die Senkgrube wird ausgehoben. Abladen der Betonringe Die Betonringe werden in der Grube gestapelt. Die Betonringe werden in der Grube gestapelt. Abladen der Betonringe Die Betonringe werden in der Grube gestapelt. Die Abflussrohre sind verlegt. Deckel drauf - der Erfolg wird mit Bier gefeiert. Steinmauer für die Terrasse Wir bauen ein Haus in Griechenland Wir bauen ein Haus in Griechenland Das Abflussrohr, nicht ganz im Abfluss!