Josef Peneder
Das   Textarchiv
Texte aus fünf Jahrzehnten
© Josef Peneder 2016   Version 2.5  /  05.05.2022
Textarchiv Index Bilder-Galerie Links Galerie Josef Neukirch Unbekannte Poesie Kontakt
Teil 3: Wie man in Griechenland ein Haus baut Phase 2: Elektrifizierung
Wie   schon   erwähnt   erhält   man   Strom   auf   legalem   Wege   nur mit   einer   gültigen   Baugenehmigung.   Eine   solche   hielten   wir in   mehrfacher   Ausführung   in   Händen,   sodass   wir   zu   Beginn des Sommers überlegten, wie wir nun vorzugehen hätten. Hier   kam   uns   der   Zufall   zuhilfe:   Der   Ast   einer   Platane   hatte die    Stromleitung    aufgescheuert,    sodass    bereits    Funken herabregneten.      Aufgeregt      verständigten      wir      unseren Schnitzelwirt,    und    eine    Stunde    später    war    bereits    ein Arbeitstrupp   der   Stromgesellschaft   ΔΕΗ   (De-i)   bei   uns   um den Schaden zu reparieren. Wir    nutzten    die    günstige    Gelegenheit,    um    uns    bei    Herrn Kostas,   dem   Chef,   der   das   ganze   überwachte,   nach   den nötigen      Formalitäten      für      einen      Stromanschluss      zu informieren. Der    freundliche    Mensch    meinte,    wir    sollten    nachher    mit unserer   Baugenehmigung,   Papier   und   Stift   zum   Schnitzelwirt kommen,   und   dort   erklärte   er   uns   bei   einem   Bier,   dass   wir zuerst    eine    “Stromsäule”    betonieren    müssten.    Außerdem würden   wir   ein   langes   Metallrohr   und Armiereisen   benötigen. Er    zeichnete    uns    sämtliche    Maße    auf,    der    Schnitzelwirt erklärte     mir,     wo     ich     die     Eisenteile     holen     könnte     und versprach,   uns   am   nächsten   Tag   einen Arbeiter   zu   schicken. Kostas   meinte,   wenn   die   Säule   fertig   sei,   sollten   wir   zu   ihm ins Büro kommen. Ich     begab     mich     also     nach     Kamariotissa     zu     einem freundlichen      Eisenhändler      namens      Jannis,      der      die gewünschten Teile sofort zurechtbog. Alles lief wie am Schnürchen, wer hätte das gedacht! Tatsächlich   erschien   am   nächsten   Tag   ein   kräftiger   junger Mann     mit     Schaufel     und     Schalungsholz     und     begann unverzüglich mit dem Ausheben einer Fundamentgrube. Die    Eisenarmierung    wurde    aufgestellt,    in    die    Mitte    unser Rohr,   eine   Verschalung   angebracht   und   schließlich   Beton eingefüllt. Im   Büro   der   ΔΕΗ   (De-i)   wurden   wir   von   Herrn   Kostas   wie alte   Freunde   begrüßt,   er   versprach,   in   den   nächsten   Tagen zu   kommen   und   so   geschah   es   auch   -   wir   hatten   innerhalb von zwei Wochen unseren Strom. Später bekam die Betonsäule noch ein nettes Dach. Nun     standen     uns     plötzlich     sämtliche     Errungenschaften moderner        Technik        zur        Verfügung:        Kühlschrank, Waschmaschine, Licht, Wasserpumpe, Heizöfchen… Da   sich   auch   die   traurigen   Reste   einer   Telefonleitung   vor unserem   Grundstück   über   die   Erde   schlängelten,   begaben wir    uns    als    nächstes    zum    Büro    der    OTE,    und    auch    hier wurden      wir      nicht      enttäuscht.      Wir      erwarben      einen Telefonapparat     und     nach     wenigen    Tagen     erschien     ein Arbeitstrupp   der   Telefongesellschaft   mit   vielversprechenden Leitungsrollen.   Die   alten   Kabel   wurden   ersetzt,   eine   Leitung zu     unserer     Holzhütte     gelegt     und     der     neue     Apparat angeschlossen.       Nach       einem       kurzen,       erfolgreichen Testtelefonat    mit    der    Zentrale    überreichte    man    uns    einen Zettel   mit   unserer   Festnetznummer   und   schon   konnten   wir nach Herzenslust telefonieren. Wir   schafften   es   sogar   -   was   nicht   ganz   einfach   war   -   dass unsere     Strom-     und    Telefonrechnungen     regelmäßig     von unserem   griechischen   Bankkonto   abgebucht   werden.   Später stellten   wir   zu   unserer   Überraschung   fest,   dass   wir   sogar den Weg ins samothrakitische Telefonbuch gefunden hatten. Jetzt fehlte nur noch das Haus! (Fortsetzung Phase 3: Harte Arbeit)
Äste, die die Stromleitung berühren, werden entfernt. Das Einsatzfahrzeug der Stromgesellschaft. Wir wohnten noch im Zelt. Der Stahlmast mit dem Armiereisen steht schon. Ein erhebender Anblick! Die Verschalung wurde mit Beton gefüllt. Von der vorhandenen Stromleitung wird ein Kabel zu unserem Zähler gespannt. Herr Kostas montiert eigenhändig den Zählerkasten. Herr Kostas montiert eigenhändig den Zählerkasten. Vorne wird die Hauptsicherung montiert. Starkstrom haben wir leider nicht bekommen. Das Einsatzfahrzeug der Telefongesellschaft. Unser erstes Telefon in der Holzhütte. Die fertige Stromsäule mit niedlichem Dach. Wir bauen ein Haus in Griechenland Wir bauen ein Haus in Griechenland