Josef Peneder
Das   Textarchiv
Texte aus fünf Jahrzehnten
© Josef Peneder 2016   Version 2.5  /  05.05.2022
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Am 1. Oktober 2006 rollte der Bagger an! Wir   hatten   beschlossen,   unser   Haus   an   der   Stelle   der   alten,   zerfallenen Ruine zu errichten und so wurde diese zuerst weggebaggert. Ein    Grieche    auf    einem    Bagger    ist    eine    besondere    Spezies;    man    muss ununterbrochen   aufpassen,   dass   er   nicht   im   Eilverfahren   alles   wegreißt, was   mit   seinem   Bagger   nur   irgend   möglich   ist.   Mit   Mühe   konnten   wir   den alten   Nussbaum   vor   der   Ruine   vor   diesem   Schicksal   bewahren.   Auch   der spontanen   Idee,   das   ganze   Material   samt   Aushub   einfach   über   den   Hang hinunterzukippen,    konnten    wir    erfolgreich    Einhalt    gebieten.    Stattdessen ließen   wir   uns   entlang   der   Südseite,   oberhalb   des   Hanges,   einen   stattlichen Wall     aufschütten,     der     sich     als     guter     Schutz     vor     den     gefürchteten Winterstürmen   (Notias)   erwiesen   hat.   Während   der   Baggerarbeiten   liefen wir   unermüdlich   hin   und   her,   um   möglichst   viele   der   alten,   handbehauenen Steinquader      zu      retten,      die      wir      als      Gartenmauer      aufschichteten. Glücklicherweise   endete   der   erste Arbeitstag   gegen   14   Uhr,   denn   wir   waren schon am Ende unserer Kräfte. Nachdem   eine   saubere   ebene   Fläche   entstanden   war,   wurden   nun   von unserem    Baumeister,    Petros    Vousis,    die    Ecken    für    das    Fundament ausgemessen     und     abgesteckt.     Das     Haus     muss     nämlich     rundherum mindestens    15    Meter   Abstand    zu    den    Grundgrenzen    aufweisen.    (Diese Regelung   stellte   Bekannte   von   uns,   die   in   der   Nähe   gebaut   hatten,   vor   ein unlösbar   scheinendes   Problem,   da   ihr   Grund   zwar   sehr   lang,   aber   nur genau   30   Meter   breit   ist.   Die   griechische   Lösung:   wenns   nicht   geht,   ist   der Abstand egal!) Wieder    arbeitete    der    Bagger,    wieder    schleppten    wir    Steine    in    sichere Bereiche,   und   bald   schon   hatten   wir   eine   saubere   Baugrube,   etwa   12x10 Meter, 1,5 Meter tief, die wie ein Swimmingpool aussah. Unser   gut   eingespielter   Bautrupp   errichtete   nun   zügig   Holzverschalungen für    die    Fundamente.    Der    “Eisenbieger”    (Sideras)    brachte    eine    Ladung Armiereisen    verschiedenster    Stärken    und    Längen    und    montierte    diese genau   nach   Plan   in   den   Verschalungen.   Dabei   ließ   er   durchblicken,   wir seien   weit   und   breit   die   einzigen,   die   wirklich   die   vorgeschriebene   Menge an   Eisen   verbauen   würden.   Unser   Fundament   reiche   für   mindestens   sieben Stockwerke.    Anscheinend    gibt    es    in    ganz    Griechenland    für    bestimmte Häusertypen   einen   einzigen   computergenerierten   Bauplan,   der   immer   zur Anwendung kommt, egal auf welchem Untergrund. Bald kam der Betonlieferant und befüllte die Verschalungen. Nachdem     die     Verschalungen     abgenommen     waren,     hatten     wir     nun tatsächlich   eine Art   Schwimmbecken   mit   kräftigen   Säulen   in   den   Haus-   und Zimmerecken.    Zwei    Meter    tiefer    und    wir    hätten    einen    schönen    Keller gehabt;   so   wurde   alles   mit   Erde   zugeschüttet,   mit   Eisengittern   bedeckt, wieder verschalt und mit Beton ausgegossen. Der   Boden   unseres   Hauses   war   fertig,   an   den   Ecken   ragten   die   Eisenstäbe in die Höhe. Ich   hatte   geistesgegenwärtig   überall   dort,   wo   künftig   Wasserleitungen   und Abflüsse    vermutet    wurden,    entsprechende    Rohre    verlegt,    etwas,    das    in Griechenland     offenbar     unüblich     ist     und     was     unsere     Arbeiter     auch entsprechend   bestaunten.   Wir   aber   hatten   uns   durch   diese   Umsicht   enorme Stemm-   und   Bohrarbeiten   erspart.   Der   Ankauf   des   Buches   “Ich   baue   mir selbst ein Haus” hatte sich bereits gelohnt! Eine   Besonderheit   ist   das   griechische   Versicherungssystem.   Egal,   ob   man das    Haus    selbst    baut,    privat    Arbeiter    organisiert    oder    eine    Baufirma beauftragt:    man    zahlt    eine    festgesetzte    Summe    (Ίδρυμα    Κοινωνικών Ασφαλίσεων,      abgekürzt      IKA,      ist      der      Träger      der      gesetzlichen Sozialversicherung   für Arbeitnehmer   in   Griechenland).   Die   Höhe   richtet   sich nach dem Ergebnis, dem fertigen Gebäude. Da     sowohl     unsere     Ingeneurin     als     auch     der     Steuerberater     unseres Schnitzelwirtes   in   Alexandroupolis   saßen,   ersparten   wir   uns   viele   Fahrten mit dem Schiff. Wieder   wurden   Verschalungen   errichtet,   in   die   ich   teilweise   Erdkabel   für   die spätere   Stromversorgung   der   Deckenlampen   und   des   ersten   Stockwerks einzog.   Auch   Metallhaken   für   die   Lampen   konnte   ich   noch   rechtzeitig   an den    richtigen    Stellen    durch    die    Verschalungsbretter    schieben,    weiters etliche   Rohre   für   spätere   Zu-   und   Abflüsse   für   Dusche,   Waschbecken   und Klo   im   ersten   Stock.   An   diese   Arbeiten   muss   man,   wie   schon   erwähnt, selbst   denken,   da   der   Bautrupp   dafür   nicht   zuständig   zu   sein   scheint   und man sich später viel Mühe erspart. Schließlich   war   die   ganze   Decke   professionell   verschalt,   mit   Eisen   gefüllt, mit   Beton   ausgegossen,   gerüttelt   und   geglättet.   In   den   Ecken   befanden   sich wieder   Eisenstäbe,   für   den   Raum   im   1.   Stock   sowie   für   die   Eckpfeiler   der Terrassenmauern. Nun    wurden    die    Eckpfeiler    verschalt    und,    um    Geld    für    eine    weitere Betonlieferung   zu   sparen,   mit   Beton   aus   der   Mischmaschine   in   Eimern befüllt. Wir    wollten    noch    vor    dem    Winter    die    Mauern    des    ersten    Stockwerks errichten,   damit   unser   Bautrupp   während   unserer   Abwesenheit   das   Dach fertigstellen   konnte.   Wir   holten   immer   wieder   Paletten   mit   Ytong   von   der Baustoffhandlung   und   transportierten   diese   mit   unserem   Campingbus.   Da ich   die   Wände   selbst   hochzuziehen   gedachte,   musste   ich   alle   Bausteine über   eine   wackelige   Holzleiter   hinaufschaffen,   da   wir   die   Stiege   zum   1. Stock   dummerweise   als   letzten   Bauschritt   errichten   ließen.   Das   würde   ich beim nächsten Mal anders machen. Die   Wände   wuchsen   mit   den   Ytongsteinen   rasch   und   problemlos   in   die Höhe;   ich   dachte   sogar   daran,   die   Öffnungen   für   die   Türen   und   Fenster freizulassen.   Oben   wurde   ein   eisenbewehrter   Betonring   gegossen,   dann   die dreieckigen    Seitenteile    aufgemauert    und    ebenfalls    mit    Beton    und    Eisen abgeschlossen. Zufrieden   fuhren   wir   zu   Weihnachten   nach   Österreich   und   fanden   im   März tatsächlich unser Haus mit einem entzückenden Ziegeldach vor. Der     Dachstuhl     war     sauber     gearbeitet.     Der     Raum     hatte     schon     im Rohzustand    etwas    von    einer    kleinen    Kirche.    Von    der    Ferne    wirkte    das “Stelzenhaus” wie ein riesiger Oktopus. Wir waren sehr zufrieden. Jetzt   war   ich   wieder   dran,   denn   nun   sollten   auch   die   Wände   im   unteren   Teil hochgezogen   werden.   Diesmal   ließen   wir   uns   gleich   einen   LKW   voll   Ytong anliefern. Rasch   wuchsen   die   Wände,   so   halbwegs   gerade,   in   die   Fensteröffnungen wurden   die   aus   Österreich   mitgebrachten   granitenen   Außenfensterbänke eingesetzt und bald schon konnte ich zufrieden aus dem Fenster blicken. Auf    einer    Wanderung    zum    gegenüberliegenden    Hügel    konnten    wir    uns davon    überzeugen,    dass    unser    schmuckes    Häuschen    bereits    gut    zur Geltung kam. Das   Frühjahr   war   gekommen   und   wir   konnten   die   ersten   warmen   Tage bereits auf der Terrasse genießen. Jetzt   ging   ich   daran,   die   Terrassenmauern   zu   errichten,   die   Eckpfeiler   zu verschalen und mit Beton zu füllen. Mit   dem   frisch   ergrünten   Wein   im   Vordergrund   wirkte   unser   Häuschen   wie eine freundliche Burg. Ich    hatte    beschlossen,    auch    die    Oberkante    der    Terrassenmauern    zu betonieren   und   anschließend   mit   Dachziegeln   abzudecken.   Vor   allem   aus optischen Gründen bekamen die Mauern zum Haus hin jeweils eine Stufe. Wir waren mit dem Ergebnis recht zufrieden. Noch   lagen   eine   Menge   Aufgaben   vor   mir:   die   Fenster   und   Türen   mussten eingesetzt,    die    Elektrik    installiert    werden,    Schalter    und    Lampen    wurden eingebaut   und   angeschlossen,   schließlich   die   Innenwände   verputzt,   weiß gestrichen und die Böden verlegt. Damit gingen der April und der Mai 2007 recht angenehm dahin. Anfang   Juni   kam   noch   einmal   der   Bautrupp,   um   endlich   die   Stiege   zum 1.Stock anzulegen. Das eingeübte Team baute zügig die Verschalung. Die   Stiege   sollte   vom   Haus   wegführen,   da   wir   so   die   Möglichkeit   bekamen, irgendwann   einmal   zwischen   Stiege   und   Außenwand   des   Bades   ein   Dach einzusetzen. Die   Stiege   war   bald   fertig   und   brachte   eine   große   Erleichterung,   nur   hatten wir   jetzt   leider   nicht   mehr   viel   hinaufzutragen,   denn   der   erste   Stock   war   weit gediehen   und   alles   war   bisher,   wie   erwähnt,   über   die   hölzerne   Notleiter transportiert worden. (Fortsetzung Phase 4: Rund ums Haus)
Teil 3: Wie man in Griechenland ein Haus baut Phase 3: Harte Arbeit
Ruhe auf der Baustelle Grübel... grübel... die Verdrahtung der Sicherungen... Endlich kann ich den oberen Stock begutachten. Kurze Ruhephase Wir bauen ein Haus in Griechenland Wir bauen ein Haus in Griechenland